Demo: Internationaler Tag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen

25. November 2018 Hbf Marburg 16 Uhr
Demoplakat
BURSCHIVILLEN ZU FRAUENHÄUSERN
er 25. November ist der Internationale Aktionstag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Vor genau 58 Jahren wurden die Schwestern Mirabal auf Befehl von dem Diktator Rafael Trujillo an diesem Tag ermordet. Jahre später wurde dieser Tag von lateinamerikanischen und karibischen Feministinnen als Gedenktag an Gewalt gegen Frauen eingeführt. Wie jedes Jahr wird das Autonome FrauenLesbenReferat im AStA Marburg eine Demonstration zu diesem Tag veranstalten. Wir laden alle, die, wie wir, die eine umfassende Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen fordern, dazu ein, mit uns gemeinsam auf die Straße zu gehen und laut zu sein!

Unter dem Motto „Burschivillen zu Frauenhäusern machen!“ wollen wir ein Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen die extrem rechte Vereinnahmung feministischer Kämpfe. Ein Zeichen gegen die rassistischen Diskurse um Gewalt gegen Frauen. Ein Zeichen gegen die extrem rechte Gewalt gegen Frauen.

Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das uns alle betrifft. Gewalt gegen Frauen passiert in allen Schichten und Milieus. Sie tritt in den verschiedensten Formen auf. Ob sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung, körperliche oder psychische Gewalt und strukturelle oder institutionalisierte Gewalt. Wir fordern: Gewalt gegen Frauen muss aufhören. Es müssen weitere Strukturen geschaffen werden und finanzielle Mittel bereitgestellt werden, die es ermöglichen Gewalt gegen Frauen wirksam zu bekämpfen.

Zu oft herrscht die Meinung vor, Gewalt gegen Frauen sei etwas, das von „den Anderen“ ausgehe. Es wird behauptet, dies käme im eigenen Freundeskreis, in der eigenen Familie oder dem eigenen Betrieb nicht vor. Es wird behauptet, kein Mann, den man kenne, sei dazu in der Lage. Diese Abwehr findet ihren traurigen Höhepunkt in der Behauptung sexualisierte Gewalt gegen Frauen gehe vornehmlich von nicht-weißen Männern aus und die Betroffenen seien hauptsächlich weiße Frauen. Die extreme Rechte greift auf diese bereits lange bestehende rassistische Falschbehauptung zurück und forciert einen Diskurs, der sexualisierte Gewalt rassifiziert. Dies ist nicht nur scheiße, weil es rassistisch und falsch ist, sondern auch, weil es die überwiegende Mehrheit der Opfer unsichtbar macht, die Benennung von Tätern erschwert und eine wirksame Durchsetzung von Gegenstrategien erschwert. Gewalt gegen Frauen kann nur antirassistisch bekämpft werden. Die Befreiung von Frauen heißt auch die Befreiung von der Gewalt weißer Männer.

Besonders perfide ist diese Selbstinszenierung der Rassist_innen als „Beschützer_innen der Frauen“, da sie zur Verschleierung eines Kernelements der extremen Rechten beiträgt: Rechtsextremismus ist immer Gewalt gegen Frauen!

Die völkische Ideologie baut auf einer zweigeschlechtlichen Ordnung auf, welche Frauen und Männern komplementäre Wesensmerkmale und Funktionen zuschreibt. Die Idealisierung dieser Ordnung dient für die extreme Rechte als Rechtfertigung weitreichender Gewalt gegen jene, die sich ihr nicht unterwerfen. Das bedeutet vor allem Gewalt gegen Homosexuelle, trans, genderqueere und inter Personen aber auch gegen jede noch so weiße hetero cis Frau, die sich nicht der Rolle als ‚Mutter der Nation‘ unterwerfen will.

Frauen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, sehen sich häufig mit Gewaltandrohungen, Vergewaltigungsphantasien und geschlechtsbezogenen Abwertungen seitens extrem rechter Akteure konfrontiert. Das sind keine Einzelfälle. Das ist eine gezielt genutzte Strategie zur Einschüchterung der betroffenen Frauen. Das ist politisch motivierte Gewalt gegen Frauen.

Der Rassismus der extremen Rechten beinhaltet weitreichende Gewalt gegen migrantische Frauen und Women of Color. Jede_r sind die Beispiele bekannt, in denen sich die vermeintlichen Frauenrechtler der extremen Rechten gewaltsam gegen Frauen gewendet haben, welche sie als nicht zu der Gruppe ‚ihrer Frauen‘ zugehörig identifiziert haben.

Rassismus ist immer auch Gewalt gegen Frauen!

Zentrale extrem rechte Akteure in Marburg sind die Burschenschaften Germania und Rheinfranken. Die beiden rechten Kaderschmieden sind eng mit der Identitären Bewegung und der AfD verbunden und tragen innerhalb dieser dazu bei, dass Gewalt gegen Frauen verharmlost, unsichtbar gemacht und sogar forciert wird.
Deshalb fordern wir an diesem 25. November:

Burschivillen zu Frauenhäusern machen!

In Anlehnung an Audre Lorde: Keine Frau wird frei sein, solange nicht alle Frauen frei sind.

Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen, um den Rassist_innen zu zeigen, dass wir ihrer Selbstinszenierung kein Stückweit Glauben schenken. Lasst uns vereint zeigen, dass wir ihrer widerlichen Menschenverachtung eine antinationale Schwesternschaft entgegensetzen.

Ob in Burschihäusern oder Parlamenten: Rechtsextremismus ist Gewalt gegen Frauen. Organisiert den feministischen Selbstschutz!

Treffpunkt der Demo: Marburger Hauptbahnhof um 16 Uhr

Offenes Café im WS 2018/19

Wir haben neue Café Zeiten im Wintersemester 2018/19!

Jeden Dienstag von 14.30 bis 16.30 Uhr kannst du Tee/Kaffee trinken, Kekse essen und dich zu queeren und feministischen Themen bei uns austauschen, informieren und Bücher ausleihen!

Unser Raum ist ein FLTI-Raum, also offen für Frauen, Lesben, Trans- und Interpersonen.

Wir freuen uns auf Dich!

Einladung zur Vollversammlung

des Autonomen FrauenLesbenReferats (AFLR)

zur Wahl der neuen Referentinnen

am 12.10.2018 um 18 Uhr im AFLR
(im AstA Marburg, Raum 11, Erlenring 5, Marburg)

Vorläufige Tagesordnung:

1. Begrüßung
2. Festlegung der Tagesordnung
3. Wahl der Protokollantin und Versammlungsleiterin
4. Rechenschafts- und Finanzbericht der Referentinnen
5. Wahl der Referentinnen
6. Sonstiges

Eingeladen sind alle Studentinnen* der Philipps-Universität Marburg. Laut Satzung des AFLRs sind Gründe zum Ausschluss von der Mitarbeit sexistisches, rassistisches, antisemitisches und nationalistisches Verhalten sowie Diskriminierung von Menschen mit Behinderung oder gegenüber Minderheiten, Verletzungen von Persönlichkeitsrechten und herabwürdigende Äußerungen in persönlicher und allgemeiner Weise.

Vortrag 4. Juli 18 Uhr Antifeminismus und Identitäre

Letzte Woche sind in Marburg Sticker und Tags der Identitären Bewegung und der rechten Kampagne 120db in der PhilFak und dem Hörsaalgebäude in Marburg aufgetaucht! Nachdem diese mehrfach entfernt wurden, sind in sehr kurzen Abständen neue geklebt worden.

Diese Aktionen sind ganz klar zu verurteilen, wir bleiben dabei: Unser Feminismus bleibt antirassistisch!!

Deswegen noch mal eine ausdrückliche Einladung zur Veranstaltung

„Antifeminismus in Bewegung“

Ein Vortrag von Juliane Lang und Johanna Illgner im Rahmen der Ringvorlesung „Lesbisch-Schwule Bewegungen“, einer Kooperation des Autonomen Schwulenreferates und des Autonomen FrauenLesbenreferates

am Mittwoch, 4. Juli 18 Uhr im Hörsaalgebäude (Biegenstraße 10, Marburg)

Darum wird es gehen:

In öffentlichen Diskussionen fassen antifeministische Narrative immer mehr Fuß, die Behauptungen darüber anstellen, was „der Feminismus“ oder an geschlechtlicher Vielfalt orientierte Gleichstellungspolitik seien. Der Sammelband „Antifeminismus in Bewegung: Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt“ setzt sich mit dieser Entwicklung kritisch auseinander.

Im Anschluss daran wird es eine Diskussion zu den aktuellen Ereignissen geben!!

„…ist doch nur ein Kompliment!“ Vortrag: Behauptungen und Fakten zu Sexismus

Vortrag mit Anna Schiff, Rosa-Luxemburg Stiftung (RLS)
Donnerstag, 26.4.2018
18-20 Uhr
Hörsaalgebäude der Uni Marburg, Raum +1/0030

Den Dingen einen Namen geben zu können, ist deshalb so wichtig, weil erst damit Lebenswirklichkeiten beschrieben und politisiert werden können. Den Begriff ‚Sexismus‘ kennen zwar viele Menschen, was damit aber eigentlich genau gemeint ist, ist vielen nicht so ganz klar. Das macht es oft möglich, dass behauptet werden kann, dass Sexismus kein Problem mehr in unserer Gesellschaft sei oder, dass es dabei darum gehe, das Fehlverhalten Einzelner an den Pranger zu stellen. Hinzu kommt eine Verunsicherung. Ist Verhalten xy noch okay oder schon sexistisch? Darf ich fragen, ob das jetzt sexistisch war oder bin ich dann schon selbst sexistisch? Bin ich vielleicht einfach nur empfindlich?

Anna Schiff hat für die RLS die Broschüre «Ist doch ein Kompliment. Behauptungen und Fakten zu Sexismus» verfasst. In ihrem einführenden Input wird sie niedrigschwellig erklären, was es mit diesem Sexismus auf sich hat und wieso das nichts mit einer „Hexenjagd“, sondern mit Macht zu tun hat.

In der anschließenden Diskussion wird es keine „dumme Fragen“ geben, sondern Interessierte können erfahren, was was sie schon immer wissen wollten, aber sich nie getraut haben zu fragen.Vortrag: Behauptungen und Fakten zu Sexismus

Demorede von Doña Carmen e.V.

Mit Bestem Dank veröffentlichen wir hier die Rede von Doña Carmen e.V., Verein für die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten, anlässlich des diesjährigen Frauen*kampftags.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Selbstbestimmung und rechtliche Gleichbehandlung von Frauen, keine Diskriminierung und keine Gewalt – das sind Grundsätze, für die wir am Internationalen Frauentag demonstrieren. Keine Gewalt: auch nicht gegen Frauen in der Prostitution!

Wenn wir diese Grundsätze ernstnehmen, dann sollte sich das auch auf die strukturelle Gewalt gegenüber Frauen beziehen.

Das seit Juli 2017 geltende so genannte „Prostituiertenschutzgesetz“ ist ein solcher Fall von struktureller Gewalt. Es geht dabei nicht um den Schutz von Frauen. Deshalb sagen wir: Dieses Gesetz muss weg!

Was bedeutet das Gesetz für Frauen in der Prostitution?
Dazu sechs Punkte:

1.
Das Prostituiertenschutzgesetz nötigt Sexarbeiter/innen, sich einer gesundheitlichen Zwangsberatung zu unterziehen. Die Stadt Marburg, die bei dieser Gelegenheit 15 € von den Frauen kassiert, lässt diese Zwangsberatung in der Schwanallee 23 vom „Sozialpsychia-trischen Dienst“ durchführen, offiziell zuständig für „erwachsene Menschen mit psychischen Erkrankungen“!
Das ist ohne Zweifel eine stigmatisierende Psychiatrisierung der Sexarbeiter/innen. Eine Schande ist das!

2.
Das Prostituiertenschutzgesetz nötigt Sexarbeiter/innen, sich zwangsregistrieren zu lassen. Hier kassiert die Stadt Marburg noch einmal zwischen 60 € und 80 € bei den Frauen ab.

Durchgeführt wird die Zwangsregistrierung in der Frauenbergstraße 35, beim „Fachdienst 32 – Gefahrenabwehr und Gewerbe“. Nun ist aber Prostitutionsausübung laut Gesetz ausdrücklich nicht als „Gewerbe“ anerkannt. Es scheint also um „Gefahrenabwehr“ zu gehen. In Marburg müssen sich alle Sexarbeiter/innen in einer Abteilung registrieren lassen, die ansonsten für „Schädlingsbefall“ zuständig ist. Was für eine widerwärtige Diskriminierung von Frauen in der Prostitution!

3.
Verbunden mit der Zwangsregistrierung ist Zwangsouting: So müssen die Frauen bei ihrer Anmeldung alle Orte benennen, in denen sie zukünftig zu arbeiten gedenken. Alle diese Orte werden dann vorab von der Anmeldebehörde informiert. Das ist gezieltes Zwangsouting. Das gibt es in keinem anderen Beruf.

4.
Hinzu kommt die Stigmatisierung durch Mitführpflicht eines Hurenpass sowie durch Mitführpflicht der Bescheinigung über die Teilnahme an der Gesundheitsberatung – plus die regulären Personaldokumente. In welchem anderen Beruf gibt es so etwas?

5.
Hinzu kommt ein ausgefeiltes Kontrollregime:
Bordellbetreiber werden gesetzlich ermächtigt und gezwungen, die Frauen zu kontrollieren, deren Daten aufzunehmen und sie ggf. der Polizei weiterzuleiten. Und für das Betreten von Prostitutionsstätten braucht man zukünftig keinen Durchsuchungsbefehl mehr. Da kann die Polizei jederzeit hereinspazieren.

Dazu muss man wissen: Eine Prostitutionsstätte liegt bereits dann vor, wenn nur zwei Frauen zusammen in einer Wohnung der Prostitution nachgehen. Das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 GG ist damit für Sexarbeiter/innen außer Kraft gesetzt.
Das Betretungsrecht gilt übrigens auch, wenn der Verdacht besteht, dass eine Frau in ihrer Wohnung allein der Prostitution nachgeht.

6.
Schließlich und als Letztes sorgt ein eigens im ProstSchG verankertes Bußgeld- und Sanktionsregime für saftige Geldstrafen und kann bei mehrmaligem Verstoß für ausländische Frauen die Ausweisung zur Folge haben. Genau das ist beabsichtigt.

Das „Prostituiertenschutzgesetz“ ist mithin strukturelle Gewalt des Staates gegenüber zumeist migrantischen Frauen. Deswegen sagen wir:
Dieses Gesetz muss weg!
Gerade in Marburg mit seiner antifaschistischen Tradition sollte es zu denken geben, dass die aus dem Kaiserreich stammende staatliche Meldepflicht für Prostituierte 1927 abgeschafft, aber 1939 unter den Nazis mit dem „Frick-Heydrich-Erlass“ wieder eingeführt wurde.

Glücklicherweise verschwand diese Regelung mit dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes. 77 Jahre später war sich ausgerechnet die deutsche Sozialdemokratie nicht zu schade, gemeinsam mit der CDU/CSU wieder eine staatliche Meldepflicht für Prostituierte einzuführen. Das ist bemerkenswert! Eine Schande, sich derart unbekümmert in solch eine unselige, reaktionäre Tradition zu stellen.

Die Sexarbeiter/innen hierzulande haben ihre eigene Art des Widerstands gegen das Gesetz: Sie verweigern sich dieser Form staatlicher Zwangsbeglückung. Nur ein geringer Prozentsatz der Frauen unterwirft sich momentan der staatlich verordneten Zwangsregistrierung.

Diese Abstimmung mit den Füßen ist einerseits Widerstand gegen ein Gesetz, das von den Sexarbeiter/innen durchweg abgelehnt wird. Und andererseits Ausdruck einer vor unseren Augen stattfindenden lllegalisierung eines ganzen Berufszweigs.

Diese staatlich betriebene Arbeitsplatz- und Existenzvernichtung geht einher mit dem Abbau von Grundrechten für die Betroffenen:

Es betrifft das Grundrecht auf Berufsfreiheit, das Grundrecht auf
informationelle Selbstbestimmung, das Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung sowie der Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung.

Dagegen hat Dona Carmen eine Verfassungsbeschwerde auf den Weg gebracht. Wir begrüßen, dass das Bundesverfassungsgericht die Klage nicht nur angenommen, sondern mittlerweile erklärt hat, sie noch in diesem Jahr zu verhandeln.

Vor diesem Hintergrund fordern wir alle Kommunen und auch die politisch Verantwortlichen der Stadt Marburg auf, die Umsetzung des Prostituiertenschutzgesetzes bis zur Entscheidung des Verfassungs-gerichts auszusetzen:
Schluss mit der Umsetzung dieses Schandgesetzes!
Abschließend noch ein Gedanke:

Das Prostituiertenschutzgesetz zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist kein Zufall. Schauen wir uns doch mal um: Allenthalben, so auch in Hessen, wird die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen in einem Ausmaß zur Disposition gestellt, wie das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

In Gießen verklagen christlich motivierte Abtreibungsgegner eine Frauenärztin, weil sie darüber informiert hat, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt.

In Frankfurt marschieren evangelikale Prostitutionsgegner durch die Innenstadt, um gegen Prostitution Front zu machen.

Gegenwärtig wird die ‚pro familia‘-Geschäftsstelle in Frankfurt von Mahnwachen christlicher Abtreibungsgegner belagert.

In Wiesbaden demonstrieren erklärte Gegner der Akzeptanz schwul-lesbischer Lebensweisen mit dem ausdrücklichen Segen des Fuldaer Bischoffs gegen den Sexualkunde-Erlass für hessische Schulen.

Und in Marburg? In Marburg wird die Sozialberatung von Prostituierten seit 2007 von einem christlichen Verein durchgeführt, in dessen Ver-einssatzung die Menschen als „Ebenbild Gottes“ tituliert werden. Ein Verein, der Sexarbeiter/innen – insbesondere Migrantinnen – ständig und pauschal öffentlich vorwirft:

„schlechte Schulbildung“, Unfähigkeit ihr Leben selbst zu organisieren, „mangelnde Professionalität“, „fehlender Selbstschutz“, „zu viele Abtreibungen“, Unfähigkeit, „weder unabhängig, selbständig noch selbstbestimmt tätig“ zu sein etc.

(FIM-Mitarbeiterin Encarni Ramirez Vega über Marburger Sexarbeiter/innen auf der Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunale Frauenbüros und Gleichstellungsstellen am 21.10.2016)

Das ist die pauschale Herabwürdigung von Frauen in der Prostitution – wie sie in der christlichen Tradition gang und gäbe ist.

Im November letzten Jahres erlaubte die Stadt Marburg Prostitutions-gegnern eine Fahnenaktion an öffentlichen Gebäuden, die sich in der „Aktion Rotlichtaus“ zusammengeschlossen haben, einem Bündnis, in dem u.a. die katholische Caritas, die katholische Vereinigung SOLWODI, die katholische Diözese Rottenburg / Stuttgart und der Katholische Deutsche Frauenbund das Sagen haben.

Mit 4.000 € hat die Stadt Marburg zudem eine Plakatkampagne dieser Prostitutionsgegner finanziert, die sich in ihrer Vereinssatzung dem martialischen Ziel einer „Ächtung“ von Prostitution verschrieben haben – wohlgemerkt eines Berufes, der seit 2002 unter den Schutz von Art. 12 GG fällt.

Wenn es um das Recht von Frauen auf sexuelle Selbstbestimmung geht, dann sollte man anerkennen, dass Selbstbestimmung immer auch das Recht einschließt, selbst darüber zu entscheiden, wie man seine Sexualität lebt und ob man sexuelle Dienstleistungen anbietet oder nicht.

Es muss endlich Schluss damit sein, dass andere stellvertretend für die betroffenen Frauen darüber entscheiden, wie diese ihre sexuelle Selbstbestimmung wahrzunehmen haben. In diesem Sinne fordern wir:

Respekt für die Selbstbestimmung von Sexarbeiter/innen!
Weg mit dem Prostituiertenschutzgesetz!
Schluss mit Umsetzung dieses elenden Gesetzes – in Marburg und anderswo!

Vielen Dank!