Archiv für Januar 2014

Heterosexistischer Angriff gegen das AFLR

Außenwand vom Autonomen FrauenLesbenReferat Marburg
Am Wochenende vom 17.-19. Januar 2014 wurde nachts an die Außenwand des AFLR mit roter Sprühfarbe geschrieben: männlich + weiblich = natürlich! Wir bedanken uns sehr bei den unbekannten Freund_innen vom AFLR, die darüber schrieben „Gegen den heterosexistischen Normalzustand! We love AFLR!“ und freuen uns, dass so schnell reagiert wurde.
Direkte homofeindliche Aktionen nehmen zur Zeit zu. Vor Kurzem wurde in Kassel das Autonome Schwulenreferat mit Kot beschmiert. Jetzt dieser Angriff auf das Autonome FrauenLesbenReferat in Marburg. Schon im Sommer 2012 wurde ein Fenster des AFLRs eingeschlagen, was wir als antifeministischen und lesbenfeindlichen Akt werten.
Die aktuellen Angriffe stehen nicht im leeren Raum, sondern haben mit der öffentliche Debatte um Homosexualität zu tun. Die Petition „Keine Aufklärung unter der Ideologie des Regenbogens“ in Baden-Würtemberg hat hohe Wellen geschlagen und viele UnterstützerInnen gefunden. Zentral ist ihnen der Schutz der heterosexuellen Ehe und Kleinfamilie und die Betonung der Natürlichkeit dieser Lebensform. Jegliche Lebensweisen, die von diesem Modell abweichen, werden als unnatürlich, pervers, gefährlich für die Gesellschaft klassifiziert. Auch in Marburg habe viele Bürger_innen diesen Aufruf unterschrieben, darunter auch Dozenten der Philipps-Universität Marburg. (Aktuell Seite 100 der UnterstützerInnen, Zugriff 29.Januar 2014) Viele der Unterzeichne_innen distanzieren sich davon, diskriminierend zu sein. Die vermehrten homophoben Angriffe machen jedoch deutlich, dass Debatten dieser Art dazu führen, dass die Feindschaft gegen Lesben und Schwule, sowie gegen Trans* und Inter*personen gesellschaftsfähig bleibt. Auch wenn in der öffentlichen Debatte Lesben wie so oft unsichtbar bleiben, sind sie es für Angreifer_innen nicht. Gerade in Marburg und Umgebung schaffen fundamentalistische Christ_innen ein Klima, in dem festgelegt bleibt, welche Art von Liebe und Sex überhaupt zugelassen ist – Homosexualität bleibt nach Ansicht derer krankhafte Perversion.
Wir haben weder Bock auf naturalisierende, evangelikale, patriarchale noch sonst wie geartete Beschwörung der heterosexuellen Partnerschaft (sic!)/Ehe und Familie. Wir verstehen diese Schmierereien nicht als Sachbeschädigung, sondern als einen Akt lesbenfeindlicher Gewalt. Er zeigt, dass wir noch viel zu tun haben.
Um unsere grandiosen Sprüher_innen zu zitieren: Gegen den heterosexistischen Normalzustand!