Archiv für April 2015

Riot grrrl Kneipe

Ab diesem Monat veranstaltet das AFLR die Riot Grrrl Kneipe monatlich im HavannaAcht. Jetzt im April haben wir vor mit euch ein Riot Grrrl Kneipen-Transpi zu malen, welches dann immer sichtbar im Raum oder Fenster des HavannaAchts hängen kann. Ansonsten ist ganz normaler Kneipenbetrieb und so kann sich bei Bier, Brause, Schorle, Cokktale oder ähnliches ausgetauscht werden.
Ihr seid alle herzlich eingeladen.
Der Abend ist open to all gender.

Vielen Dank an Chris für die wundervolle Zeichnung des riot grrrls!

! Besorgte Eltern von der Straße fegen !

Am 25.04.2015 in Kassel

    „Besorgte Eltern“ kommen am 25.4. NICHT nach Kassel!

    Die Gegenkundgebung findet trotzdem statt!

Neben Pegida haben sich im letzten Jahr in Deutschland auch Demonstrationen formiert, die von den sogenannten „Besorgten Eltern“ organisiert wurden und werden. Im Rahmen ihrer „Deutschlandtour 2015“ kommen sie am 25.April auch nach Kassel und planen von 14 bis 17 Uhr eine Demonstration durch die Innenstadt mit einer Abschlusskundgebung auf dem Königsplatz. Die Initiative will zurück zu einem streng traditionellen Familienbild und instrumentalisiert die Schutzbedürftigkeit von Kindern für ihre reaktionären, frauen­, trans­ und homofeindlichen Ideologien. Ihr Motto „Kinder brauchen Liebe, keinen Sex“ folgt der Rhetorik, dass sexuelle Aufklärung das Gleiche wäre, wie sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Sie sprechen sich aus gegen einen Sexualkundezwang an Schulen und damit gegen eine Aufklärung zu Verhütung, Schwangerschaftsabbrüchen und dem Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität. Dabei scheinen die „Besorgten Eltern“ den Sexualkundeunterricht bewusst zu missverstehen um in Wahrheit das Aufdecken und Angreifen von patriarchaler, heteronormativer Gewalt in Familien unmöglich zu machen und einen subtilen Kampf gegen Homosexualität und nicht normative Lebensentwürfe zu führen. Unterstützt werden sie dabei von fundamentalistischen Christ_innen, Anhänger_innen der AfD, homophoben Rechten und Aktivist_innen mit fragwürdigem Hintergrund, wie z.B. dem Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer.

Ab 13 Uhr ist auf dem Königsplatz eine Gegenkundgebung mit dem Motto Vielfalt und ein buntes Miteinander angemeldet. Wir finden es wichtig, eine linksradikale Perspektive mit einzubringen und rufen dazu auf am 25.April 2015 nach Kassel zu fahren. Uns geht es nicht um Vielfalt und ein buntes Miteinander, sondern darum einem rechtskonservativen Weltbild etwas entgegen zusetzen. Wir fordern das Recht auf selbstbestimmte Sexualität ohne heterosexistische, patriarchale Familienvorstellungen.

Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus!

Für die Freiheit für ein selbstbestimmtes Leben, Besorgte Eltern von der Straße fegen!

Ein Service vom Autonomen FrauenLesbenReferat Marburg

Wer auch immer der Täter ist II

Vor kurzem haben wir ein Schreiben von der Gruppe Solidarische Feministinnen über die physische und psychische Gewalt eines vermeintlich feministischen Mannes veröffentlicht. Auf Grund von Androhungen rechtsstaatlicher Gewalt mussten wir uns leider dazu entschließen, den Text vorerst von unserer Homepage zu nehmen.
Wir sehen es als unabdingbar an, auf Gewalt in linken und feministischen Kontexten hinzuweisen. Auseinandersetzung und Konfrontation mit Gewalt gegen Frauen* ist immer und überall notwendig. Insbesondere in linken Szenen wird nach außen darauf wert gelegt, dass die Themen Sexismus und Feminismus in die eigenen politischen Analysen mit einfließen. Doch oft gehen dann Theorie und Praxis nicht zusammen. Auf antifaschistischen Camps ist es mittlerweile gang und gäbe, dass es eine sogenannte AwarenessStruktur gibt. Doch wer fordert diese ein? Wer stellt diese Struktur? In der Mehrheit sind es die Frauen* und Trans*personen, die diese Strukturen stellen.

Jaja, die Definitionsmacht
Festhalten lässt sich, dass Diskussionen über die Definitionsmacht innerhalb der Szene weitestgehend nicht mehr in einer solchen Schärfe geführt werden wie noch vor ein paar Jahren. Aber hat sich etwas geändert, wenn Gewalt als solche benannt wird und der Gewaltausübende sich in der linken Szene bewegt? Gewalt gegen Frauen* anzuerkennen scheint wohl nur dann möglich, wenn man diese gesamtgesellschaftlich betrachtet oder auf eine einzelne böse Person schieben kann.
Die man dann auch einfach aus der Szene ausgrenzt, aus Gruppen und Szenelokale schmeißt und somit scheint das Problem gelöst zu sein. Jede 7. Frau* erlebt in ihrem Leben schwere sexualisierte Gewalt und der Täter ist in den meisten Fällen bekannt. Jede 4. Frau* erlebt in ihrem Leben Gewalt durch Beziehungspartner. Doch leider gibt es keine Zahlen dazu, wie viele Männer in ihrem Leben psychische oder physische Gewalt ausüben. Somit bleibt der Fokus auf der Betroffenen. Der Mythos, dass es sich um einen fremden Mann handelt, der eine Frau nachts mit einem Messer plötzlich anfällt und vergewaltigt, dient einzig dem Zweck, patriarchale Strukturen und deren Machtgefüge aufrecht zu erhalten. Denn da ist der Täter ein fremder gefährlicher Mann, der nichts mit dem oder denen zu tun hat, mit denen eine befreundet ist. Doch wenn man den Statistiken folgt, sind der unsicherste Ort die eigenen vier Wände, insbesondere wenn man mit „mein Freund“ zusammen wohnt.
Wenn eine Frau* ihre erlebte Gewalt öffentlich macht, scheint es von Seiten des Täters nicht möglich zu sein, zu sagen: „Ja, ich hab scheiße gebaut!“. Alle Männer in der linken Szene sind schließlich reflektierte, oft als Feministen bezeichnete, Männer. Das führt dazu, dass es undenkbar ist, dass diese gewalttätig geworden sein könnten. Das geht soweit, dass der Frau* ihr Erlebtes nicht abgesprochen, aber betont wird, dass es immer zwei Wahrheiten gibt. Das Anerkennen bezieht sich nur auf das Gefühl der Frau* geschlagen worden zu sein, nicht auf die Tat. Die Definitionsmacht wird ad absurdum geführt. Somit wird Gewalt weggewischt – sie bleibt als Problem bei der Betroffenen. Es gibt wieder einmal Gewalt ohne Täter. Wir finden diese Rhetorik zum Kotzen.

An alle sogenannten Feministen: Es reicht nicht mal ein schlaues Buch zu lesen und sich als reflektiert zu bezeichnen oder zu betonen, dass man doch ganz anders ist. Sich mit Sexismus, Patriarchat und Gewalt gegen Frauen* auseinanderzusetzen, bedeutet auch immer, sich mit sich selbst – insbesondere als CisMann – auseinanderzusetzen.
Wenn Veranstaltungen zum Thema Patriarchat und Gewalt gegen Frauen* gemacht werden, tauchen diese Männer selten auf. Auch wenn diese Veranstaltungen, um Austausch zu ermöglichen, open to all gender sind. Denn sie sind ja nicht gemeint, sie sind nicht betroffen, sie haben mit dem Ganzen nichts zu tun. Sie fragen nicht bei feministischen Veranstaltungen, ob sie vielleicht Essen kochen oder Putzdienste übernehmen sollen – all die Arbeit, die oft im Hintergrund stattfindet. Aber Hauptsache, der FeminismusButton ist fest an die Jacke gepinnt.
Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen* sind Taten ohne Täter, niemand fühlt sich je als Vergewaltiger, niemand will der Böse sein. Es war alles nur ein Missverständnis, anders gemeint, die Frau* reagiert übertrieben sensibel. Weiße, bürgerliche Männer werden so gut wie nie für ihre Taten zur Verantwortung gezogen. Sie sind selbst fest davon überzeugt, dass ihre Wahrheit die Realität ist – männliche Allmachtsfantasien haben sich historisch bewährt.

In einem linken, feministischen Gewand können sie sich dann besonders gut schützen, denn sie sind erhaben mit ihren GenderZertifikaten und sogenannten feministischen Forschungen. Wir sagen: Wir haben kein Bock auf eure Belehrungen, auf eure Erkenntnisse und eure Wahrheiten. Hört endlich auf zu prügeln, hört endlich auf zu vergewaltigen und euch der Verantwortung zu entziehen.

Für einen entschlossenen Frauen*kampftag! Jeden Tag!Gegen Patriarchat und Kapital – für den Feminismus radikal!

Rede anlässlich des Frauen*kampftages 2015