Archiv für März 2016

Von der „kleinen Minderheit Gender-vernebelter Kampf-Emanzen“ – Zur Berichterstattung über die Ausladung Ulrich Kutscheras

Am 13.4.2016 sollte in Marburg der sexistische, rassistische und lesbenfeindliche Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera aus Kassel im Audimax im Rahmen des Studium Generale den Eröffnungsvortrag halten. Auf Initiative der Frauenbeauftragten Silke Lorch-Göllner hat das Präsidium empfohlen Kutschera auszuladen. Der Organisator Stefan Rensing beugt sich dieser Entscheidung laut der Oberhessischen Presse (OP) vom 23.3.2016 nur „mit Bauchschmerzen“. Er verweist auf Kutscheras Wichtigkeit für die Evolutionsbiologie. Dass Kutschera der führende Vertreter der Evolutionsbiologie sein soll, ist kein Argument für seine Verteidigung, sondern ein Armutszeugnis.

Seine Arbeiten sind geprägt von polemischer Sprache und diskriminierenden Inhalten. Anders als in der OP am 23.3.2016 angedeutet, übt Kutschera nicht lediglich „Kritik an der Geschlechterforschung“ sondern diffamiert sie als „Krebsgeschwür“ und „„akademischen Wildwuchs“. Er bezeichnet „Gender als geistige Vergewaltigung des Menschen“. Feministinnen sind für ihn eine „kleine Minderheit Gender-vernebelter „Kampf-Emanzen“[…]“ . Er spricht von „einer kleinen, meist kinderlosen lesbisch veranlagten selbsternannten Befreierinnen-Minderheit (Mann-Weiber)“ welche „Normalfrauen“ „terrorisieren“ würden. Dies ist keine Kritik, sondern unwissenschaftlicher Unsinn. Für Kutschera sind das gesellschaftliche Problem „widernatürliche „Mann-Frauen“ mit reduziertem Arbeitsleistungs- und Reproduktionspotential (Kreativitäts- und Geburtenrückgang der Ureinwohner Deutschlands).“ Diese Aussage ist nicht nur frauen-, lesben- und transfeindlich, sondern auch zutiefst rassistisch. „Da es immer mehr studierte Damen gibt, fehlen für Männer ohne Hochschulabschluss Frauen mit gleichen (bzw. niedrigem) Bildungsniveau. Diese gebildeten, nicht aber studierten Männer finden demgemäß keine Partnerin mehr und sind dann auf Import-Bräute (z.B. aus Thailand) angewiesen.“ Gerade in der Evolutionsbiologie sollten derart sozialdarwinistische Ansätze auf Grund ihrer Geschichte genauestens hinterfragt werden.

Kutscheras diskriminierende Ansichten und seine Wissenschaft sind deckungsgleich und daher nicht trennbar. Dieser „Wissenschaftler“ ist weder innovativ noch besonders lehrreich, er verteidigt lediglich Geschlechtervorstellungen aus vergangenen Jahrhunderten die den lesbenfeindlichen sexualwissenschaftlichen Forschungen aus dem 19. Jahrhundert gleichen.. Es ist zudem verwunderlich, wie es im Jahre 2016 möglich ist, eine Ringvorlesung mit 10 Terminen nur mit Männern zu besetzen. Dies zeigt, wie wichtig feministische Kritik auch heute noch ist, um den universitären Männerbund anzugreifen.
Das Autonome FrauenLesbenReferat Marburg begrüßt die Initiative der Frauenbeauftragten und die Ausladung Kutscheras. Wir wenden uns gegen eine Darstellung in der OP, in welcher es so wirkt, als könnten die Gender Studies keine Kritik vertragen. Was Kutschera schreibt und sagt ist keine Kritik, sondern polemischer Blödsinn.

Kneipentour 8.März 2016

Wir laden euch ein, mit uns am 8.März eine Kneipentour in Marburg mitzumachen. Bei einem Vortreffen kam raus, gerade auch in Kneipen zu gehen, die wir sonst eher meiden. Öffentliche Räume gerade nachts männerdominiert, der Abend und die Stadt sind Angstraum und Angstzeiten.
Wir wollen damit brechen und gemeinsam unterwegs sein.
Ihr braucht kein Vorwissen und keine feste Gruppe, um mitzukommen. Vor Ort werden wir nochmal das Konzept vorstellen. Treffpunkt ist um 20 Uhr am AStA/beim Autonomen FrauenLesbenReferat, Erlenring 5, Marburg. Am Ende wollen wir ins Bettenhaus zur feministischen Kneipe.
Wenn ihr Fragen habt, schreibt gerne eine Mail.