Archiv für November 2016

Konsequent dagegen! Always against it! Buna karşi!

Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen*.
An diesem Tag wollen wir mit euch auf die Straße gehen. Lasst uns laut unserer Recht einfordern und die patriarchale Alltäglichkeit zerstören!
Startpunkt: 13h, Bahnhofsvorplatz Marburg

Mindestens jede dritte Frau* in Europa wird im Laufe ihres Lebens sexuell belästigt. Wir möchten diese und andere Formen der gegen Frauen* gerichteten Gewalt sichtbar machen und einem Geschlechtsblindheit forcierenden Diskurs entgegentreten.
Mitte des Jahres war am Oberstadtaufzug ein Plakat mit der Aufschrift: „Stopp Gewalt gegen Frauen und Kinder“ zu sehen. Alleine diese Aussage infantilisiert Frauen* und setzt sie mit Kindern als schutzbedürftig und nicht handlungsfähig gleich. Als wäre dies noch nicht genug, wurde mit Stiften ergänzt: „Und gegen Männer.“ Das wurde durchgestrichen und durch „Menschen“ ersetzt. Dies ist nur eines der vielen Beispiele für Bestrebungen, geschlechtsspezifische Gewalt unsichtbar zu machen und durch ausschließliche Verwendung der Kategorie „Mensch“ alle Herrschaftsstrukturen und Gewaltverhältnisse zu verneinen. Auch das dringende Bedürfnis vieler, immer dann, wenn von Gewalt gegen Frauen* die Rede ist „und gegen Männer“ hinzuzufügen, ist Ausdruck dieser Tendenz. Selbstverständlich erleben nicht nur Frauen* Gewalt, sondern auch Personen anderer Geschlechter. Doch was aus der Subsumierung aller Erfahrungen ohne Beachtung ihrer Eingebundenheit in Unterdrückungs- und Herrschaftssysteme herauskommt, ist sowas wie „Einsicht – Marburg gegen Gewalt“. Das Patriarchat bleibt darin völlig unangetastet. Gegen Gewalt sind alle. Gewalt gilt als moralisch verwerflich. Auch gewalttätige Männer sind gegen Gewalt. Denn das ist der starke Punkt patriarchaler Strukturen: Die Täter sehen sich niemals selbst als Täter.
Marburg Einsicht veröffentlichte einen Kinospot, in dem ein bürgerlicher weißer Mann in weißer Weste, pardon, weißer Jacke, mit Blumenstrauß in der Hand von zwei schwarz gekleideten Männern angegriffen wird. Der Blumenstrauß symbolisiert die Nettigkeit des Mannes, die schwarze Kleidung die Bösartigkeit der Angreifer. Gewalt wird hier gezeigt als Gewalt von Männern, die anderen aufs Maul hauen, als Gewalt, die in der Öffentlichkeit passiert, die von einer bestimmten Klasse ausgeht – niemand kommt so auf die Idee, dass es vielleicht der „nice guy“ mit dem Blumenstrauß ist, der zuhause seine Frau* prügelt. Diese Mythen über Gewalt sind weit verbreitet und machen es schwer, darüber zu reden, wo und wie Gewalt tatsächlich passiert – gerade für Frauen* und trans* Personen.
Ebenfalls in diesem Jahr fand eine Demonstration „Besorgter Bürger“ gegen „Gewalt gegen Frauen und Kinder“ statt. Diese rassistische Veranstaltung machte Geflüchtete verantwortlich für sexualisierte Gewalt. Ähnlich wie nach der Silvesternacht in Köln wird argumentiert „Schützt unsere Frauen und Kinder“. Damit wird die sexistische Logik bedient, Frauen* seien Objekte, die Männern gehörten: Als Ehefrau*, Mutter*, Schwester* oder Tochter*. Neben diesem paternalistischen Ansatz sind Debatten um sexualisierte Gewalt in diesem Jahr immer begleitet gewesen von rassistischen Forderungen. So wurde gleichzeitig mit der Veränderung des Sexualstrafrechts, mit der Einführung der sehr neuen Idee „Nein heißt Nein“, das Abschiebungsrecht verschärft. Damit hinterlässt diese Änderung einen bitteren Beigeschmack. Vergewaltigungsmythen vom gefährlichen Fremdtäter werden immer wieder wiederholt, finden sich in jeder Berichtserstattung der Presse wieder. Die Verurteilungen von Gina-Lisa Lohfink und Claudia D, die von Kachelmann wegen Falschbeschuldigung angezeigt wurde, zeigten ebenso wie die sie umgebenden Debatten nochmal deutlich, wie wenig Bewusstsein es über patriarchale Gewalt, Vergewaltigungsmythen und gesellschaftliche Strukturen gibt.

Wir machen da nicht mit! Wir zeigen keine Einsicht!
Wir laden zu dieser Demo alle (trans) Frauen*, Ladys, Lesben, Dykes, Tunten, Femmes, Non-binarys, A& non-gender, und solidarische (trans) Männer ein.