Warum und wie wir Definitionsmacht verwenden

Warum und wie wir Definitionsmacht verwenden

Das Autonome FrauenLesbenReferat im AStA Marburg ist eine Struktur feministischer autonomer Selbstorganisation. Eine unserer Aufgaben ist die Peer-Beratung bei Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt an der Uni. Da wir uns als Teil der radikalen Linken begreifen, wird unsere Beratung auch bei Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt innerhalb der ‚linken Szene‘ in Anspruch genommen. Wir bewegen uns dabei in dem schwierigen Feld zwischen einer weitreichenden Unterstützung der betroffenen Frauen, der Umsetzung unserer eigenen politischen Ansprüche und der Verantwortung unseres Handelns gegenüber der Öffentlichkeit der ‚linken Szene‘. Im Kontext personeller Neuerungen innerhalb unserer Gruppe kam das Bedürfnis nach einer Diskussion über das Thema Definitionsmacht auf. Die Meisten werden diesen Begriff bereits gehört haben oder Erfahrungen mit der Nutzung dieses Konzeptes haben. Sowohl die Vorstellungen davon, was Definitionsmacht eigentlich heißen soll als auch die Vorstellung von und Erfahrungen mit der Anwendung des Konzeptes variieren dabei unserer Beobachtung nach stark. Unser Ziel war es also zunächst für unsere eigene Gruppe eine Einigung darüber zu erreichen, was wir unter Definitionsmacht verstehen, ob wir basierend auf dieser Einigung Definitionsmacht weiterhin anwenden wollen und wenn ja, wie wir dies tun wollen. Der nachfolgende Text soll die Ergebnisse dieser Diskussion wiederspiegeln. Er dient sowohl für uns als eine Sicherung der vorläufigen Ergebnisse als auch für die Öffentlichkeit der ‚linken Szene‘ als Offenlegung unserer weiteren Verwendung eines oftmals missverstandenen Konzeptes. Des Weiteren hoffen wir durch diesen Text einen Beitrag zu einer solidarischen Kritik an manchen Anwendungen des Konzeptes zu leisten und gleichzeitig ein Plädoyer für eine vorläufige weitere Nutzung des Konzeptes zu halten. Der Text fokussiert sich auf Frauen als Betroffene, da dies unser Hauptaufgabengebiet ist. Es soll dabei nicht impliziert werden, dass Männer, Enbys, genderqueere Personen etc. nicht Opfer von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt werden. Für eine Auseinandersetzung mit diesen Fällen braucht es jedoch zusätzliche Expertise, die wir nicht ausreichend abdecken. Daher überlassen wir diese Auseinandersetzung zunächst anderen.
Für Kritik und Anregungen, meldet euch unter: autonomesfrauenlesbenreferat[ät]googlemail.com


1. Was ist eigentlich sexualisierte Gewalt und was ist eine Vergewaltigung?

Diese Frage mag sehr banal klingen. Von Vergewaltigung hat eigentlich jede_r ein Bild. An einer Person werden gegen deren Willen sexuelle Handlungen vorgenommen. Total simpel, oder? Leider nein. Was eine Vergewaltigung ist, also welche sexuellen Handlungen eine Vergewaltigung konstituieren und wann etwas als „gegen ihren Willen“ gilt, ist hart umkämpft. So variiert etwa die strafrechtliche Definition, welche als ein guter Indikator für die hegemoniale Meinung gedeutet werden kann, historisch und länderspezifisch. Kann der_die Partner_in überhaupt vergewaltigen? Ist es schon eine Vergewaltigung, wenn nicht penetriert wird? Ist es schon gegen den Willen, wenn die Person nicht eindeutig „Ja!“ gesagt hat? All diese Fragen werden in unterschiedlichen Strafgesetzen unterschiedlich beantwortet. Die feministische Auseinandersetzung bejaht diese Fragen für gewöhnlich. Es wird nicht nur davon ausgegangen, dass Partner_innen vergewaltigen können, sondern vielmehr anerkannt, dass, wie bei jeder Gewalt gegen Frauen, insbesondere Partner_innen und Nahpersonen als Täter_innen auftreten. Mittlerweile erkennt das deutsche Strafgesetz die Möglichkeit der Vergewaltigung durch eine_n Ehepartner_in an. Das war bis 1997 anders und die Änderung wurde durch viele Parlamentarier_innen abgelehnt. Viel feministische Arbeit wird darauf verwendet, „Ja heißt Ja!“ als Grundsatz des Strafgesetzes durchzusetzen. Die Gesetzesänderung von 2016 ermöglicht zudem eine strafrechtliche Verfolgung mancher nicht konsensualer sexueller Handlungen zu erstreben, welche zuvor entweder gar nicht oder nur als Nötigung, Beleidigung oder sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen strafbar waren, ohne dass diese jedoch als Vergewaltigung eingestuft werden.
Die strafrechtliche Definition von Vergewaltigung bleibt ein schwieriges Thema für uns: Einerseits müssen wir anerkennen, dass das Strafrecht als Referenzrahmen für gesellschaftliche Auseinandersetzungen dient und die Möglichkeit der strafrechtlichen Verfolgung von Tätern [1] Frauen durchaus ein gewisses Ausmaß an Macht zurückgeben kann. Andererseits teilen wir die radikale Kritik am Strafrecht und halten dieses für ungeeignet, um Gewalt gegen Frauen wirksam zu bekämpfen.
Nur ein sehr kleiner Anteil der betroffenen Frauen entscheidet sich für eine Anzeige. Dies hat verschiedenste Gründe. Nur ein sehr geringer Anteil dieser Anzeigen führt zu einer Verurteilung. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Betroffene, das, was das Strafrecht an Gerechtigkeit anbietet, bekommt, ist sehr gering.
Sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung sind, so grotesk das klingen mag, etwas Alltägliches. Es ist etwas, dass alle Frauen erleben können und die überwiegende Mehrheit im Laufe ihres Lebens erlebt. Sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung treten in allen Lebensbereichen, in allen Räumen (ob öffentlich oder privat) und in allen Schichten und Milieus auf. Sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung taucht in Popkultur und Witzen, in Bücher, Bildern, überall auf. Alle haben Bilder vor Augen. Alle können es sich vorstellen. Und dennoch ist es unfassbar schwierig zu definieren.
Wir haben viel darüber gesprochen, ob wir nur von Vergewaltigung oder auch von sexualisierter Gewalt sprechen wollen. Wir haben uns dagegen entschieden nur von Vergewaltigung zu sprechen, da Vergewaltigung oft nicht so stattfindet wie sie sich gesellschaftlich vorgestellt wird. Das macht Benennung sehr schwierig. Vergewaltigung wird oft in Anlehnung an heteronormative Sexvorstellungen gekoppelt. Obwohl juristisch miteinbezogen, kommen oft auch orale Vergewaltigungen nicht in der Vorstellung vor. Hinter diesem Ansatz steckt auch die Idee, dass Menschen nicht ohne einen Penis vergewaltigt werden könnten. Oder dass Vergewaltigung immer penetrativ sein muss. Es kann auch Vergewaltigung geben, wenn kein Penis/Dildo/Gegenstände involviert sind. Vergewaltigung ist ein wichtiger politischer Begriff. Gleichzeitig ist auch der Überbegriff sexualisierte Gewalt wichtig, um zu fassen, dass Gewalt weiter geht und ganz unterschiedlich aussehen kann. Daher ist es notwendig, dass auch feministische Analysen sich immer weiterentwickeln und Diskussionen stattfinden. Gerade weil die Grenze von dem was Vergewaltigung ist und was nicht, oft nicht eindeutig wahrgenommen wird.
Vergewaltigung und Sexualisierte Gewalt sind damit zwei nicht eindeutig voneinander abgrenzbare Begriffe für Gewalt, welche mit den Mitteln der Sexualität ausgeübt wird. Während der Begriff der Vergewaltigung eher die Gefahr der inhaltlichen Verengung birgt, erscheint der Begriff der sexualisierten Gewalt oftmals etwas zu beliebig ausweitbar. Es stellt sich die Frage, ob verbale Äußerungen, wie etwa unerwünschte Komplimente, als sexualisierte Gewalt verhandelt werden sollten. Grundsätzlich halten wir die Offenheit des Begriffs für eine Stärke, da sie es erlaubt, die Vielgestaltigkeit von Gewalt, die mit den Mitteln der Sexualität ausgeübt wird, anzuerkennen. Wir halten jedoch die Nutzung des Konzeptes Definitionsmacht nicht bei allen Formen sexualisierter Gewalt für sinnvoll. Deshalb werden wir in unserer Auseinandersetzung darum, wann wir Definitionsmacht anwenden (3.), eine präzisere Formulierung verwenden.

2. Warum ist das Konzept Definitionsmacht entstanden?
Definitionsmacht ist ein Konzept, dass von Feministinnen entwickelt wurde, um der strafrechtlichen Definition von Vergewaltigung, die für Frauen hohe Hürden für die Anerkennung ihrer Erfahrung stellt, etwas entgegenzusetzen. Solange Vergewaltigung primär im Feld des Strafrechtes verhandelt wird, wird vorausgesetzt, dass die Frau eine strafrechtliche Verfolgung anstrebt, sich deren Mechanismen unterwirft und letztlich eine Verurteilung des Täters stattfindet, bevor ihre Erfahrung anerkannt wird. Definitionsmacht hingegen ist ein Konzept der feministischen Selbstorganisation, dass eine eigene, deutlich offenere, Definition von Vergewaltigung vorlegt, dass es erlaubt, die Erfahrungen von Frauen ernst zu nehmen und anzuerkennen ohne dass sie hierfür einen bestimmten Umgang mit ihrer Erfahrung wählen müssen. Heruntergebrochen sagt der Grundsatz von Definitionsmacht aus: Wenn du deine Erfahrung als Vergewaltigung beurteilst, dann darfst du es auch Vergewaltigung nennen und wir, die dieses Konzept verwenden, erkennen deine Deutung der Erfahrung an.
Das Konzept der Definitionsmacht übersteigt so den internationalen feministischen Grundsatz „believe the victim“ in einem wichtigen Punkt: Während bei „belive the victim“ nur der sachliche Hergang der Dinge aus der Perspektive der Betroffenen abgeleitet wird, erlaubt Definitionsmacht auch eine Anerkennung von Erfahrungen, deren sachlicher Hergang keinen Aufschluss über die subjektive Bedeutung der Erfahrung für die Person liefert.
Auch das Konzept der Parteilichkeit, also die grundsätzliche Solidarität mit der betroffenen Frau, wird durch das Konzept der Definitionsmacht überstiegen. Denn es geht bei Definitionsmacht nicht nur um eine Unterstützung der betroffenen Frau, sondern vornehmlich um die Frage, wann eine Frau überhaupt betroffen ist. Und die Antwort lautet: Wenn sie sich betroffen fühlt.
Der Grundsatz, dass Erfahrungen von Frauen ohne Hürden anerkannt werden müssen, beinhaltet auch einen Abschied von der Verknüpfung von Betroffenheit und Trauma: Während der patriarchale Alltagsverstand Gewalterfahrungen oftmals nur als legitim erachtet, wenn die Frau ausreichend Schaden davongetragen hat, knüpft das Konzept der Definitionsmacht keine solche Erwartung an Vergewaltigungen. Du darfst es auch Vergewaltigung nennen, wenn es dich nicht traumatisiert hat!
Definitionsmacht erlaubt es so, allen Erfahrungen von Frauen, die sie für sich als Vergewaltigung einordnen, Anerkennung und Raum zu geben. Definitionsmacht erlaubt es Frauen über ihre Erfahrungen zu reden, ohne zunächst einen Katalog an Fragen abzuarbeiten, der determinieren soll, ob ihre Erfahrung ‚wirklich/objektiv‘ eine Vergewaltigung war. Gleichzeitig hat Definitionsmacht gar nicht den Anspruch etwas zu beweisen. Es geht schlicht darum, dass eine Frau, die vergewaltigt wurde, dies aussprechen kann, ohne dafür erst die hohen, unangenehmen und oftmals entwürdigenden Hürden einer strafrechtlichen Verfolgung des Täters zu nehmen. Dies ist insbesondere relevant, da viele Frauen, nicht das geringste Interesse an der strafrechtlichen Verurteilung des Täters haben.
Definitionsmacht ist jedoch nicht das einzige Standbein der feministischen Auseinandersetzung um eine Definition von Vergewaltigung. Es existiert durchaus auch eine feministische Gewaltanalyse, welche sich nicht primär auf die Erfahrung der Betroffenen, sondern auf Theorie und Analyse stützt und es erlaubt, auch Erfahrungen, welche von der betroffenen Frau nicht so eingeordnet werden, als Gewalt zu benennen. Denn eine Vergewaltigung als solche zu benennen setzt oftmals die Überwindung verinnerlichter patriarchaler Denkmuster voraus.

3. Wofür verwenden wir Definitionsmacht?
Wofür Definitionsmacht angewendet werden sollte, ist eine Frage, die von verschiedenen Akteur_innen unterschiedlich beantwortet wird. Während Manche Definitionsmacht ausschließlich bei sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung anwenden, finden sich durchaus auch Anwendungen im Bereich rassistischer Gewalt und bei anderen Gewaltformen sowie bei sexistischen Sprüchen oder anderem Kack-Verhalten von Personen in privilegierten Positionen, gegenüber nicht-privilegierten Personen.
Nach einer langen Diskussion sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir Definitionsmacht nur bei Vergewaltigung und Formen sexualisierter Gewalt, bei denen sexuelle Handlungen durchgeführt wurden/werden, für die ein erforderlicher Konsens nicht gegeben war/ist, anwenden wollen. Mehr noch: Wir sind davon überzeugt, dass das Konzept nur in diesen Fällen einen Mehrwert bietet. Denn Definitionsmacht kann eigentlich nicht viel mehr leisten, als in einem Fall, in welchem der Hergang der Dinge für Außenstehende die Frage offenlässt, ob die Erfahrung konsensual war, die Perspektive der betroffenen Frau als Maßstab zu nehmen.
Es gibt konsensualen Sex. Bei sexualisierter Gewalt gibt es (auf Grund patriarchaler Verhältnisse) oft die Annahme, es wäre konsensualer Sex gewesen. Gerade in Nahverhältnissen ist das die Annahme, die verhindert, dass Betroffenen geglaubt wird, wenn sie von gewaltvollen Erfahrungen berichten.
Wenn eine Frau im öffentlichen Raum von einem ihr unbekannten Mann offensichtlich gewaltsam vergewaltigt wird, braucht sie für gewöhnlich keine Definitionsmacht um ihre Erfahrung als Vergewaltigung benennen zu können. Denn bereits der Hergang der Dinge passt so sehr in das hegemoniale Bild der Vergewaltigung, dass sich die Frage „Hast du diese Erfahrung als Vergewaltigung empfunden?“ nahezu erübrigt. Definitionsmacht hilft unseres Erachtens nur in den Fällen, in denen sich diese Frage stellt. In Fällen, die mehrdeutig aussehen. In Fällen, in denen eine außenstehende Beobachtung oder politische Analyse nicht ausreichend weiterhilft. In Fällen, die konsensual hätten sein können, aber es nicht waren – sondern Gewalt.
Anders als bei anderen Gewalt-Definitionen ist die Absicht des Täters dabei irrelevant. Das mag zunächst kontra-intuitiv erscheinen, lässt sich jedoch leicht erklären: Vergewaltigung sieht oftmals auf den ersten Blick aus wie Sex und wird vom Täter auch so definiert. Die wenigsten Männer, die vergewaltigen, denken, dass sie vergewaltigen. Das fehlende Bewusstsein macht ihr Handeln nicht weniger zu Gewalt, sondern macht lediglich deutlich, wie alltäglich patriarchale Gewalt immer noch ist. Insbesondere Männer glauben oftmals, dass sie ein Anrecht auf weibliche Körper und deren sexuelle Gefügigkeit haben.
Wir schreiben hier nicht über das oftmals fehlende Bewusstsein von Männern, um deren gewaltvolles Verhalten zu entschuldigen oder diese gar ebenfalls zu Opfern zu erklären. Wir sind der festen Überzeugung, dass es in der Verantwortung von Männern liegt, sicherzustellen, dass sie nicht vergewaltigen. Wenn ein Mann vergewaltigt, ohne sich dessen bewusst zu sein, liegt es an der Weigerung sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Vermeidung von ernsthafter Reflektion über das eigene Handeln ermöglich es Männern weiterhin patriarchale Gewalt auszuüben, ohne dabei das eigene Selbstbild infrage stellen zu müssen.
Wenn ein Mann vergewaltigt und es sich für ihn wie Sex anfühlt, hat er höchstwahrscheinlich ein ganz schön beschissenes Verständnis von Sex. Wir verurteilen das fehlende Bewusstsein von Männern zutiefst. Als Unterstützungsgruppe für betroffene Frauen ist es für uns nicht entscheidend, was genau ein Vergewaltiger beabsichtigt hat – oder behauptet beabsichtigt zu haben. Für die Deutung der Täter sind wir nicht zuständig und wollen wir auch nicht zuständig sein.

4. Warum wir Definitionsmacht weder als einziges politisches Mittel nutzen wollen noch synonym verwenden wollen für alles Sprechen über Gewalt und Diskriminierung

Vergewaltigung ist nicht gut definierbar, daher ist der Definitionsmachtbegriff wichtig. Doch der Definitionsmachtbegriff verweist nicht auf eine politische Strategie im Umgang mit dieser Gewalt. Wir brauchen jedoch diese Strategien. Deshalb ist Definitionsmacht nur ein kleiner Teil unserer politischen Arbeit. Trotzdem wollen wir sie nicht verwerfen, sondern das, was sie leisten kann auch nutzen.
Bei sexistischen Sprüchen und anderem Kack-Verhalten (z.B. dominantes Redeverhalten oder Mansplaining) benötigen wir die Frage ob dies konsensual war weniger, als eine Analyse und Kritik, die darlegt, warum wir dieses Verhalten eindämmen wollen.
Unsere feministische Parteilichkeit und Unterstützung von Frauen beschränkt sich nicht auf Situationen in denen Definitionsmacht angewendet wird, sondern gilt darüber hinaus für alle Formen sexistischer, patriarchaler und heteronormativer Gewalt sowie Gewalt, die nicht spezifisch geschlechtsbezogen sein muss wie Rassismus und Antisemitismus. Es gibt oft viel Unsicherheit darüber, wofür Definitionsmacht angewendet wird. Warum wollen wir Definitionsmacht nicht auch bei rassistischer Gewalt anwenden, obwohl diese doch auch oft unsichtbar ist?
Immer wieder erleben wir in der Praxis, dass „Definitionsmacht einfordern“ synonym verwendet wird mit dem Wunsch nach Glaubhaftigkeit und Anerkennung von erlebter Verletzung. Es ist ein Versuch Gehör zu finden, begründet in dem Gefühl, dass dieser Begriff notwendig sei, um Parteilichkeit und die Anerkennung von Gewalterfahrungen zu erhalten. Es kann nicht sein, dass Definitionsmacht als notwendige Voraussetzung dafür betrachtet wird, dass ist, dass Personen, die von Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen berichten geglaubt wird!
Wir finden es nicht sinnvoll, ein Konzept, dass im Rahmen einer spezifischen Situation für eine ganz bestimmte Form von Gewalt (Vergewaltigung) geschaffen wurde, auf alle Formen von Gewalt zu übertragen. Nicht weil andere Gewalt weniger schlimm ist, sondern weil es dafür andere Konzepte gibt (und geben muss). Wenn beispielsweise rassistische Sprachhandlungen nicht als gewaltvoll anerkannt werden, muss politische Arbeit darauf hinwirken, dass diese Anerkennung stattfindet, durch klare Positionierung, Unterstützung der Betroffenen, Glauben der Schilderung. Anders als bei sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung, bemisst sich der gewaltvolle Gehalt einer rassistischen Handlung nicht primär an der Überschreitung einer individuellen subjektiven Grenze. Definitionsmacht nützt jedoch nur in Situationen, in denen die subjektive Erfahrung eine wichtige Rolle spielt. Eine Hand auf dem Hintern kann Teil einer lustvollen Erfahrung sein – oder ein sexueller Übergriff. Daher braucht es an dieser Stelle Definitionsmacht. Da uns beim besten Willen keine andere politisch relevante Form der Gewalt eingefallen ist, welche sich von etwas, dass viele von uns sehr gerne tun, nur in dem Punkt unterscheidet, dass eine Person nicht zugestimmt hat, sehen wir keinen Mehrwert in der Übertragung des Konzeptes auf andere Gewaltformen. Wir wollen damit nicht ausdrücken, dass wir die Perspektiven von Betroffenen anderer Gewaltverhältnisse nicht für wichtig in der Benennung dieser erachten. Wir sehen dies allerdings auf einer anderen Ebene als Definitionsmacht. So halten auch wir die Positionierung von Personen innerhalb von Herrschaftsverhältnissen für relevant für deren Zugang zu Erkenntnissen über diese Herrschaftsverhältnisse und die Benennung von Gewalt innerhalb dieser, halten jedoch Definitionsmacht für den falschen Begriff, um diesen Zugang zu charakterisieren. So stellt sich bei sexuellen Handlungen durchaus die Frage, ob diese konsensual waren. Bei rassistischer Gewalt wäre diese Frage völlig deplatziert.
Nur weil etwas unseres Erachtens nach nicht unter die Kategorie „Definitionsmacht“ fällt, wie rassistische Gewalt, Alltagssexismus und andere Formen von Diskriminierung und Gewalt, heißt es nicht, dass wir es für weniger wichtig halten, sich damit zu beschäftigen. Definitionsmacht ist kein allmächtiges Konzept, mit dem alle Probleme gelöst werden können. Es ist ein Teil des politischen Werkzeugkastens von Feminist_innen. Dieser umfasst jedoch deutlich mehr Konzepte und Methoden als nur Definitionsmacht. Auch wenn das sowohl in eigenen Reihen als auch von Kritiker_innen gerne vergessen wird.
Ein Problem der Definitionsmacht ist, dass die Verantwortung für die Benennung zunächst allein bei der Betroffenen liegt. In einer patriarchalen Gesellschaft, die unsere Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt und Sexualität prägt, fällt es vielen Frauen schwer, Gewalt als solche zu benennen. Das Nicht-Wahrnehmen von gewaltvollen Handlungen ist nicht auf Täter beschränkt. Sexualisierte Gewalt ist kein Missverständnis, das nur zwischen zwei Personen passiert, sondern existiert im Kontext eines hierarchischen Geschlechterverhältnisses und einer umfassenden Verharmlosung und Normalisierung sexualisierter Gewalt durch rape culture. Gerade in engen persönlichen Beziehungen ist es oft leichter Gewalt zu verdrängen, als sie zu benennen. Definitionsmacht überträgt die Aufgabe zur Benennung den Betroffenen. Dadurch kann das Gefühl der Ohnmacht durchbrochen werden. Gleichzeitig kann aber auch eine Individualisierung der Verantwortung für die Benennung von Gewalt stattfinden. Daher finden wir den Ansatz von Parteilichkeit essenziell für feministische Unterstützungsarbeit. Parteilichkeit bedeutet Frauen grundsätzlich zu unterstützen. Parteilichkeit heißt auch Frauen bei der Suche nach Definitionen zu unterstützen. Weiterhin braucht es eine feministische Gewaltanalyse, die noch einen Schritt weitergeht, eigene, ergänzende Definitionen entwickelt, Prävention ermöglicht und eine generelle politische Handlungsnotwendigkeit klar macht – unabhängig von persönlicher Betroffenheit.
Unseres Erachtens nach, muss der Umgang feministischer Selbstorganisation mit Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt auf drei Säulen fußen:
Definitionsmacht:
→ Definitionsmacht gilt für uns bei Vergewaltigung und Formen sexualisierter Gewalt bei denen ein erforderlicher Konsens nicht gegeben ist. Dabei ist eine konkrete Benennung Voraussetzung. Definitionsmacht erkennt die Subjektivität von erlebter Gewalt an. Es geht um konkrete Situationen, die individuell erlebt werden.
Parteilichkeit:
→ Der Grundsatz von Parteilichkeit ist: Believe the victim – support the victim. Auch hierbei geht es um die konkrete Unterstützung von Personen die Gewalt erleben. Parteilichkeit bezieht sich nicht lediglich auf sexualisierte Gewalt, sondern auch auf sexistische und rassistische Übergriffe und Gewalt. Parteilichkeit kann auch heißen bei der Suche nach einer Definition zu unterstützen. Parteilichkeit bietet Betroffenen eine Grundlage, um konkretes Aktiv-Werden unsererseits einzufordern. Dieses Aktiv-Werden kann in der Unterstützung der Betroffenen in der Durchsetzung von Forderungen gegenüber Täter oder Umfeld bestehen, muss es aber nicht.
Feministische Gewaltanalyse:
→ An kollektivem Bewusstsein von Frauen orientierte und theoretisch fundierte Analyse (sexualisierter) Gewalt sowie struktureller und institutioneller Gewalt gegen Frauen verbunden mit dem Anspruch der Erwirkung umfassender Veränderung der gesellschaftlichen Grundlagen von Gewalt gegen Frauen mit dem Ziel der radikalen Verbesserung des Lebens von Frauen.

5. Was tun mit Definitionsmacht? Oder: Auf der Suche nach was Besserem

Viele der Kritiken an Definitionsmacht gehen davon aus, dass „die Feministinnen“ das Ziel hätten Definitionsmacht entweder in den strafrechtlichen Umgang mit Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt einzubringen oder dieses Konzept als Legitimation für ‚Szene‘-interne Selbstjustiz zu nutzen. Dies ist selbstverständlich beides nicht unsere Absicht. Diese Sorge zeigt jedoch eindrücklich auf, dass eine gewisse Unfähigkeit herrscht, sich den Umgang mit Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt außerhalb einer Logik des Strafrechts zu vorzustellen.
Wir wollen niemanden bestrafen. Und Definitionsmacht sieht das auch nicht vor. Definitionsmacht bedeutet, dass Frauen, die zu uns kommen und über ihre Erfahrungen reden wollen, diese als Vergewaltigung oder sexualisierte Gewalt benennen können, ohne dass dafür besondere Kriterien erfüllt werden müssen.
Wir sind parteilich, das heißt, wir unterstützen Frauen, die Unterstützung suchen, weil sie sexualisierte Gewalt erfahren. Diese Unterstützung ist jedoch inhaltlich und zweckmäßig nicht auf den Täter bezogen. Die Unterstützung kann unterschiedlich aussehen und durchaus auch den Täter einbinden. Sei es, dass diesem eine Ansage gemacht wird, in Zukunft bestimmte Dinge zu unterlassen, sei es, dass ein Hausverbot für ihn in der Stammkneipe der betroffenen Frau erwirkt wird oder sei es, dass ein Ausschluss von ihm von einem Plenum, auf das die betroffene Frau sonst nicht mehr gehen würde durchgesetzt wird. All dies hat jedoch nicht das Ziel den Täter zu bestrafen. Wir unterstützen lediglich die betroffene Frau darin das umzusetzen, von dem sie glaubt, dass es ihr gerade hilft. Dies muss den Täter nicht im Geringsten involvieren. Doch wir beschränken uns nicht darauf, dass das einzige, was eine Frau von uns erwarten kann ein Tee, ein Gespräch und ein „Wir glauben dir. Es ist nicht deine Schuld.“ ist. Im Rahmen unserer eigenen Möglichkeiten und Überzeugungen versuchen wir die Unterstützungswünsche der betroffenen Frau bestmöglich umzusetzen.
Selbstverständlich bekommen wir manchmal Lust irgendwelche Arschlöcher fertig zu machen. Aber das ist nicht unsere Aufgabe und meistens nicht was die betroffene Frau will. Deshalb reflektieren wir das und lassen es bleiben!
Auch wenn wir mit unserem Handeln nicht beabsichtigen den Täter fertigzumachen, kann es dennoch eine schwierige Situation für ihn sein: 5 schlechtgelaunte Feministinnen, die ihm erklären, dass jetzt Schluss mit Belästigung ist; plötzlich Hausverbot in einer Kneipe, in die man vorher gerne gegangen ist; nicht mehr erwünscht auf einem Plenum, für das man viel gearbeitet hat: Das ist frustrierend. Und aufgrund der engen gedanklichen Verknüpfung von Strafrecht und sexualisierter Gewalt kann sich das schonmal wie eine Verurteilung ohne Verfahren anfühlen (allerdings nur, wenn man nicht versteht, was der Unterschied zwischen Staat und Privatpersonen/privaten Räumen ist). Leider können wir da nichts ändern. Wenn wir die Unterstützungsgruppe für eine Betroffene sind, können wir den Prozess des Täters nicht begleiten. Deshalb brauchen wir (pro-)feministische Täter-Arbeit! Bereits seit langem fordern wir, dass sich eine Struktur herausbildet, welche unsere Arbeit für die betroffene Frau durch Arbeit mit dem Täter ergänzt: mit ihm darüber redet, was passiert, warum es passiert, wie er damit umgehen kann und wie er das in Zukunft vermeiden kann. Wir fordern insbesondere Männer dazu auf sich dieser Aufgabe anzunehmen und nicht in sexistischer Manier die ganze (Sorge-)Arbeit Frauen zu überlassen.
Über Definitionsmacht und Parteilichkeit hinaus, versuchen wir von jedem Fall zu abstrahieren und Möglichkeiten der Prävention zu suchen. Wir versuchen in Absprache mit der betroffenen Frau Strategien zu entwickeln und darauf hinzuwirken, Strukturen, welche ihre Gewalterfahrung begünstigt haben zu verändern. Wir wollen Gewalterfahrungen politisch verarbeiten!
Wir können mit der Art wie wir Definitionsmacht anwenden gut leben. Dennoch sind wir uns bewusst, dass das Konzept nicht ideal ist. Viele Frauen schrecken davor zurück Definitionsmacht in Anspruch zu nehmen. Manche, weil sie Angst davor haben in den nachfolgenden ‚Szene‘-internen Diskussionen durch vehemente Definitionsmacht-Gegner_innen angefeindet zu werden. Manche, weil der Begriff mittlerweile wie verbrannt erscheint, da er so viel schlechte Publicity bekommen hat. Manche, weil sie Sorge haben, dass dies einem ‚Szene‘-Ausschluss für den Täter gleichkommt, sie aber die Arbeit der Person wichtig[er als ihr eigenes Wohlbefinden] finden oder Sorge vor der Reaktion der Person haben.
Definitionsmacht ist zu einem negativ konnotierten Schlagwort geworden, dass viele reflexartig ablehnen. Definitionsmacht sei „autoritär“ oder falle „hinter rechtsstaatliche Errungenschaften zurück“. Wir halten die in diesen Kritiken thematisierten Problematiken nicht für in dem Konzept angelegt, sondern vielmehr für eine Frage der Nutzung des Konzeptes. Häufig offenbart die Kritik auch ein Missverständnis des Konzeptes, eine Verwechslung von Parteilichkeit und Definitionsmacht und grundsätzliches Unwissen über diverse Feinheiten des Rechts (wie etwa die Existenz des Hausrechtes. Ja, ein Camp oder eine Kneipe darf euch einfach rausschmeißen. Das ist vielleicht nicht schön und manchmal auch nicht richtig, fällt aber nicht „hinter rechtsstaatliche Errungenschaften zurück“.) Leider fallen viele dieser Kritiken auch nicht in den Bereich der solidarischen Kritik. Definitionsmacht existiert aus gutem Grund. Und diese ersatzlos zu streichen würde bedeuten hinter die Errungenschaften feministischer Selbstorganisation zurückzufallen. Wir sind uns aber dennoch bewusst, dass Definitionsmacht ein sehr begrenzt nützliches und bei weitem nicht perfektes Konzept ist. Wir hängen auch nicht sonderlich daran. Uns ist nur leider bisher nichts Besseres eingefallen. Selbstorganisation hat immer etwas Improvisatorisches und Provisorisches. We are making this up as we go. Wir freuen uns stets über solidarische Kritik an unseren Praxen und hoffen darauf, dass noch viele Konzepte kommen, von denen stets das neue besser zu einer umfassenden Bekämpfung von sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung beiträgt als das vorige. Bis jedoch ein neues besseres Konzept aufkommt werden wir weiterhin Definitionsmacht verwenden.

[1] Wir sprechen von „Tätern“ statt von „Täter_innen“. Wir tun dies nicht, um zu behaupten, es gebe keine Täter_innen anderer Geschlechter, sondern um auf die Tatsache hinzuweisen, dass die überwiegende Mehrzahl der Täter Männer sind. Die Verwendung des Begriffs „Täter_innen“ mag inhaltlich korrekter sein, birgt jedoch die Gefahr bei Leser_innen die verzerrte Vorstellung, Täterschaft sei nicht vergeschlechtlicht, hervorzurufen. Daher wählen wir die von uns als rhetorisch angemessener empfundene Formulierung.

(Arbeitstitel: Infantile Inquisition revisited. Nichts ist so kindisch, wie die Erfahrungen von Frauen ernst zu nehmen.)

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Demo: Internationaler Tag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen

25. November 2018 Hbf Marburg 16 Uhr
Demoplakat
BURSCHIVILLEN ZU FRAUENHÄUSERN
er 25. November ist der Internationale Aktionstag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Vor genau 58 Jahren wurden die Schwestern Mirabal auf Befehl von dem Diktator Rafael Trujillo an diesem Tag ermordet. Jahre später wurde dieser Tag von lateinamerikanischen und karibischen Feministinnen als Gedenktag an Gewalt gegen Frauen eingeführt. Wie jedes Jahr wird das Autonome FrauenLesbenReferat im AStA Marburg eine Demonstration zu diesem Tag veranstalten. Wir laden alle, die, wie wir, die eine umfassende Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen fordern, dazu ein, mit uns gemeinsam auf die Straße zu gehen und laut zu sein!

Unter dem Motto „Burschivillen zu Frauenhäusern machen!“ wollen wir ein Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen die extrem rechte Vereinnahmung feministischer Kämpfe. Ein Zeichen gegen die rassistischen Diskurse um Gewalt gegen Frauen. Ein Zeichen gegen die extrem rechte Gewalt gegen Frauen.

Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das uns alle betrifft. Gewalt gegen Frauen passiert in allen Schichten und Milieus. Sie tritt in den verschiedensten Formen auf. Ob sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung, körperliche oder psychische Gewalt und strukturelle oder institutionalisierte Gewalt. Wir fordern: Gewalt gegen Frauen muss aufhören. Es müssen weitere Strukturen geschaffen werden und finanzielle Mittel bereitgestellt werden, die es ermöglichen Gewalt gegen Frauen wirksam zu bekämpfen.

Zu oft herrscht die Meinung vor, Gewalt gegen Frauen sei etwas, das von „den Anderen“ ausgehe. Es wird behauptet, dies käme im eigenen Freundeskreis, in der eigenen Familie oder dem eigenen Betrieb nicht vor. Es wird behauptet, kein Mann, den man kenne, sei dazu in der Lage. Diese Abwehr findet ihren traurigen Höhepunkt in der Behauptung sexualisierte Gewalt gegen Frauen gehe vornehmlich von nicht-weißen Männern aus und die Betroffenen seien hauptsächlich weiße Frauen. Die extreme Rechte greift auf diese bereits lange bestehende rassistische Falschbehauptung zurück und forciert einen Diskurs, der sexualisierte Gewalt rassifiziert. Dies ist nicht nur scheiße, weil es rassistisch und falsch ist, sondern auch, weil es die überwiegende Mehrheit der Opfer unsichtbar macht, die Benennung von Tätern erschwert und eine wirksame Durchsetzung von Gegenstrategien erschwert. Gewalt gegen Frauen kann nur antirassistisch bekämpft werden. Die Befreiung von Frauen heißt auch die Befreiung von der Gewalt weißer Männer.

Besonders perfide ist diese Selbstinszenierung der Rassist_innen als „Beschützer_innen der Frauen“, da sie zur Verschleierung eines Kernelements der extremen Rechten beiträgt: Rechtsextremismus ist immer Gewalt gegen Frauen!

Die völkische Ideologie baut auf einer zweigeschlechtlichen Ordnung auf, welche Frauen und Männern komplementäre Wesensmerkmale und Funktionen zuschreibt. Die Idealisierung dieser Ordnung dient für die extreme Rechte als Rechtfertigung weitreichender Gewalt gegen jene, die sich ihr nicht unterwerfen. Das bedeutet vor allem Gewalt gegen Homosexuelle, trans, genderqueere und inter Personen aber auch gegen jede noch so weiße hetero cis Frau, die sich nicht der Rolle als ‚Mutter der Nation‘ unterwerfen will.

Frauen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, sehen sich häufig mit Gewaltandrohungen, Vergewaltigungsphantasien und geschlechtsbezogenen Abwertungen seitens extrem rechter Akteure konfrontiert. Das sind keine Einzelfälle. Das ist eine gezielt genutzte Strategie zur Einschüchterung der betroffenen Frauen. Das ist politisch motivierte Gewalt gegen Frauen.

Der Rassismus der extremen Rechten beinhaltet weitreichende Gewalt gegen migrantische Frauen und Women of Color. Jede_r sind die Beispiele bekannt, in denen sich die vermeintlichen Frauenrechtler der extremen Rechten gewaltsam gegen Frauen gewendet haben, welche sie als nicht zu der Gruppe ‚ihrer Frauen‘ zugehörig identifiziert haben.

Rassismus ist immer auch Gewalt gegen Frauen!

Zentrale extrem rechte Akteure in Marburg sind die Burschenschaften Germania und Rheinfranken. Die beiden rechten Kaderschmieden sind eng mit der Identitären Bewegung und der AfD verbunden und tragen innerhalb dieser dazu bei, dass Gewalt gegen Frauen verharmlost, unsichtbar gemacht und sogar forciert wird.
Deshalb fordern wir an diesem 25. November:

Burschivillen zu Frauenhäusern machen!

In Anlehnung an Audre Lorde: Keine Frau wird frei sein, solange nicht alle Frauen frei sind.

Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen, um den Rassist_innen zu zeigen, dass wir ihrer Selbstinszenierung kein Stückweit Glauben schenken. Lasst uns vereint zeigen, dass wir ihrer widerlichen Menschenverachtung eine antinationale Schwesternschaft entgegensetzen.

Ob in Burschihäusern oder Parlamenten: Rechtsextremismus ist Gewalt gegen Frauen. Organisiert den feministischen Selbstschutz!

Treffpunkt der Demo: Marburger Hauptbahnhof um 16 Uhr

Offenes Treffen im WS 2018/19

Wir haben neue Öffnungszeiten im Wintersemester 2018/19!

Jeden Dienstag von 14.30 bis 16.30 Uhr kannst du Tee/Kaffee trinken, Kekse essen und dich zu queeren und feministischen Themen bei uns austauschen, informieren und Bücher ausleihen!

Unser Raum ist ein FLT-Raum.

Wir freuen uns auf Dich!

Einladung zur Vollversammlung

des Autonomen FrauenLesbenReferats (AFLR)

zur Wahl der neuen Referentinnen

am 12.10.2018 um 18 Uhr im AFLR
(im AstA Marburg, Raum 11, Erlenring 5, Marburg)

Vorläufige Tagesordnung:

1. Begrüßung
2. Festlegung der Tagesordnung
3. Wahl der Protokollantin und Versammlungsleiterin
4. Rechenschafts- und Finanzbericht der Referentinnen
5. Wahl der Referentinnen
6. Sonstiges

Eingeladen sind alle Studentinnen* der Philipps-Universität Marburg. Laut Satzung des AFLRs sind Gründe zum Ausschluss von der Mitarbeit sexistisches, rassistisches, antisemitisches und nationalistisches Verhalten sowie Diskriminierung von Menschen mit Behinderung oder gegenüber Minderheiten, Verletzungen von Persönlichkeitsrechten und herabwürdigende Äußerungen in persönlicher und allgemeiner Weise.

Vortrag 4. Juli 18 Uhr Antifeminismus und Identitäre

Letzte Woche sind in Marburg Sticker und Tags der Identitären Bewegung und der rechten Kampagne 120db in der PhilFak und dem Hörsaalgebäude in Marburg aufgetaucht! Nachdem diese mehrfach entfernt wurden, sind in sehr kurzen Abständen neue geklebt worden.

Diese Aktionen sind ganz klar zu verurteilen, wir bleiben dabei: Unser Feminismus bleibt antirassistisch!!

Deswegen noch mal eine ausdrückliche Einladung zur Veranstaltung

„Antifeminismus in Bewegung“

Ein Vortrag von Juliane Lang und Johanna Illgner im Rahmen der Ringvorlesung „Lesbisch-Schwule Bewegungen“, einer Kooperation des Autonomen Schwulenreferates und des Autonomen FrauenLesbenreferates

am Mittwoch, 4. Juli 18 Uhr im Hörsaalgebäude (Biegenstraße 10, Marburg)

Darum wird es gehen:

In öffentlichen Diskussionen fassen antifeministische Narrative immer mehr Fuß, die Behauptungen darüber anstellen, was „der Feminismus“ oder an geschlechtlicher Vielfalt orientierte Gleichstellungspolitik seien. Der Sammelband „Antifeminismus in Bewegung: Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt“ setzt sich mit dieser Entwicklung kritisch auseinander.

Im Anschluss daran wird es eine Diskussion zu den aktuellen Ereignissen geben!!