Konsequent dagegen! Always against it! Buna karşi!

Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen*.
An diesem Tag wollen wir mit euch auf die Straße gehen. Lasst uns laut unserer Recht einfordern und die patriarchale Alltäglichkeit zerstören!
Startpunkt: 13h, Bahnhofsvorplatz Marburg

Mindestens jede dritte Frau* in Europa wird im Laufe ihres Lebens sexuell belästigt. Wir möchten diese und andere Formen der gegen Frauen* gerichteten Gewalt sichtbar machen und einem Geschlechtsblindheit forcierenden Diskurs entgegentreten.
Mitte des Jahres war am Oberstadtaufzug ein Plakat mit der Aufschrift: „Stopp Gewalt gegen Frauen und Kinder“ zu sehen. Alleine diese Aussage infantilisiert Frauen* und setzt sie mit Kindern als schutzbedürftig und nicht handlungsfähig gleich. Als wäre dies noch nicht genug, wurde mit Stiften ergänzt: „Und gegen Männer.“ Das wurde durchgestrichen und durch „Menschen“ ersetzt. Dies ist nur eines der vielen Beispiele für Bestrebungen, geschlechtsspezifische Gewalt unsichtbar zu machen und durch ausschließliche Verwendung der Kategorie „Mensch“ alle Herrschaftsstrukturen und Gewaltverhältnisse zu verneinen. Auch das dringende Bedürfnis vieler, immer dann, wenn von Gewalt gegen Frauen* die Rede ist „und gegen Männer“ hinzuzufügen, ist Ausdruck dieser Tendenz. Selbstverständlich erleben nicht nur Frauen* Gewalt, sondern auch Personen anderer Geschlechter. Doch was aus der Subsumierung aller Erfahrungen ohne Beachtung ihrer Eingebundenheit in Unterdrückungs- und Herrschaftssysteme herauskommt, ist sowas wie „Einsicht – Marburg gegen Gewalt“. Das Patriarchat bleibt darin völlig unangetastet. Gegen Gewalt sind alle. Gewalt gilt als moralisch verwerflich. Auch gewalttätige Männer sind gegen Gewalt. Denn das ist der starke Punkt patriarchaler Strukturen: Die Täter sehen sich niemals selbst als Täter.
Marburg Einsicht veröffentlichte einen Kinospot, in dem ein bürgerlicher weißer Mann in weißer Weste, pardon, weißer Jacke, mit Blumenstrauß in der Hand von zwei schwarz gekleideten Männern angegriffen wird. Der Blumenstrauß symbolisiert die Nettigkeit des Mannes, die schwarze Kleidung die Bösartigkeit der Angreifer. Gewalt wird hier gezeigt als Gewalt von Männern, die anderen aufs Maul hauen, als Gewalt, die in der Öffentlichkeit passiert, die von einer bestimmten Klasse ausgeht – niemand kommt so auf die Idee, dass es vielleicht der „nice guy“ mit dem Blumenstrauß ist, der zuhause seine Frau* prügelt. Diese Mythen über Gewalt sind weit verbreitet und machen es schwer, darüber zu reden, wo und wie Gewalt tatsächlich passiert – gerade für Frauen* und trans* Personen.
Ebenfalls in diesem Jahr fand eine Demonstration „Besorgter Bürger“ gegen „Gewalt gegen Frauen und Kinder“ statt. Diese rassistische Veranstaltung machte Geflüchtete verantwortlich für sexualisierte Gewalt. Ähnlich wie nach der Silvesternacht in Köln wird argumentiert „Schützt unsere Frauen und Kinder“. Damit wird die sexistische Logik bedient, Frauen* seien Objekte, die Männern gehörten: Als Ehefrau*, Mutter*, Schwester* oder Tochter*. Neben diesem paternalistischen Ansatz sind Debatten um sexualisierte Gewalt in diesem Jahr immer begleitet gewesen von rassistischen Forderungen. So wurde gleichzeitig mit der Veränderung des Sexualstrafrechts, mit der Einführung der sehr neuen Idee „Nein heißt Nein“, das Abschiebungsrecht verschärft. Damit hinterlässt diese Änderung einen bitteren Beigeschmack. Vergewaltigungsmythen vom gefährlichen Fremdtäter werden immer wieder wiederholt, finden sich in jeder Berichtserstattung der Presse wieder. Die Verurteilungen von Gina-Lisa Lohfink und Claudia D, die von Kachelmann wegen Falschbeschuldigung angezeigt wurde, zeigten ebenso wie die sie umgebenden Debatten nochmal deutlich, wie wenig Bewusstsein es über patriarchale Gewalt, Vergewaltigungsmythen und gesellschaftliche Strukturen gibt.

Wir machen da nicht mit! Wir zeigen keine Einsicht!
Wir laden zu dieser Demo alle (trans) Frauen*, Ladys, Lesben, Dykes, Tunten, Femmes, Non-binarys, A& non-gender, und solidarische (trans) Männer ein.

Refresh the F-word – Coffee-Party für Erstis und Interessierte

Für alle, die neu in Marburg/ an der Uni sind (und auch alle anderen interessierten FLT*), haben wir einen „Tag der offenen Tür“ im Autonomes FrauenLesben Referat Marburg (AStA Marburg), an dem ihr uns zu Kaffee und Cupcakes kennenlernen, oder auch einfach über bestimmte Themen quatschen könnt.
Spread the word and bring your friends!
Feministische Grüße und bis dann,
das Autonome FrauenLesben Referat

Kein Raum für religiösen Fundamentalismus! Offener Brief an die Stadt Marburg

Sehr geehrtes Magistrat der Stadt Marburg,

mit Verwunderung haben wir festgestellt, dass wieder einmal die christlich-fundamentatlistische Brüdergemeinde Lahnstraße an der Mensa am Erlenring einen öffentlichen Stand aufgebaut hat und dabei aktiv auf Leute zugeht.

Die ChristInnen dieser Gemeinde bezeichnen sich selbst als „bibeltreu“. Dieser Begriff steht für eine fundamentalistische Auslegung der Bibel, antike Frauenbilder, eine klare Anti-Choice Postion und Homo- und Transfeindlichkeit.

Bibeltreue ChristInnen unterscheiden zwischen „Sünde und Sünder“ und betonen, dass sie nicht Homosexuelle, sondern nur den „homosexuellen Akt“ ablehnen würden. Aus lesbischer Perspektive ist diese Unterscheidung einerlei. Fest steht, das Homosexualität als etwas negatives beurteilt wird, etwas, was es zu überwinden gilt – als eine Sünde unter vielen. Das Ausleben von Sexualität ist keine Sünde, kein Genfehler und auch keine Folge einer schweren Kindheit. Die offizielle Stellungnahme des Zusammenschlusses von Brüdergemeinden verweist auf das Weiße Kreuz und Wüstenstrom, Organisationen die immer wieder wegen ihres Angebots von „Reparativtherapien“ in die Kritik geraten.

Wir fordern die Stadt auf, religiösem Fundamentalismus keinen Raum zu geben. Christlicher Fundamentalismus verletzt das Recht auf diskriminierungsfreies Leben. Homosexualität gehört nicht kontrolliert, therapiert oder weggebetet!

Kein Raum für Seximus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus!

Mit freundlichen Grüßen,
Autonomes FrauenLesbenReferat

Feministisches Vorsemester-Faulenzen

Die Orientierungswoche ist überstanden, das Semester hat noch nicht wieder angefangen, Lohnarbeit hoffentlich auf Pause – wir wollen mit euch im und am AFLR chillen, Bier und Limo trinken, Snacks verdrücken, quatschen, zocken, Musik hören und rumhängen. Los geht es um 18 Uhr am AStA Marburg, Erlenring 5.

Das Patriarchat bleibt stabil!

Wir teilen hier die Stellungnahme der qrew (queere politgruppe Kassel) vom 18.06.2016 zu dem Flugblatt des ak:raccoons „Das Problem heißt Islam“.
Wir teilen die Kritik der qrew und erklären uns mit ihr solidarisch!

„Das Patriarchat bleibt stabil!

Nach dem Orlando Attentat mit 49 Toten und 53 Verletzten in dem LGBT*IQ-Club ‚Pulse‘ am 12.Juni 2016 wird weiter über die Ursachen und die Hintergründe gestritten. In den verschiedensten Diskussionen und Publikationen zu dem Orlando Attentat und dessen Hintergründen wird jedoch deutlich, dass es vielen offensichtlich äußerst schwer fällt, den Anschlag als die größte massenhafte Ermordung von LGBT*IQs in der jüngeren Geschichte zu benennen und zu bewerten.

Kaum lässt sich die weltweite Tragweite für LGBT*IQs, die dieses Attentat mit sich bringt, in die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft transportieren. Eine Tragweite, die jedoch allen Menschen die sich der Community zugehörig fühlen, schlagartig bewusst war: Der Hass auf LGBT*IQ nimmt wieder zu. Die Sicherheit, die wir innerhalb von unseren Schutzräumen, Clubs oder Bars, auf unseren Prides oder Demos uns selbst imaginiert haben, ist zerstört. Immer wenn weltweit eine LGBT*IQ-Person aufgrund von Hass gegen ihre Sexualität oder ihre Geschlechtsidentität Gewalt erfährt oder zu Tode kommt, ist es ein Anschlag auf die Community und immer empfinden wir es so. In Orlando in einem lange vergessenem Ausmaß.

Sollten wir lieber zurückkehren zu einem Leben in Angst und im Verborgenen? Oder sind nicht genau die Mahnwachen, neben dem Ausdruck unserer Trauer, unserer Wut und unseres Schreckens, auch der Versuch uns nicht unterkriegen lassen zuwollen – Das wir sichtbar und präsent sein werden, auch wenn wir ein vielfaches Ziel von Hass, Ablehnung und Gewalt sind.

Auf der am 15. Juni in Kassel stattfindenden Mahnwache für die Opfer des Anschlags wurden von dem ‚Antifaschistischen Kollektiv Raccoons‘ Flyer verteilt, die, allein in ihrem Titel eine sehr deutliche Botschaft haben:„Das Problem heißt Islam“.(1)

In dem Flyer wird kurz auf den Täter und einen Teil seines Hintergrunds eingegangen, bevor aufgeführt wird, dass in 13 Ländern, in denen die Todesstrafe auf Homosexualität besteht, der Islam Staatsreligion ist. Im gesamtem Text wird das Problem externalisiert und die Autor*innen ziehen sich so aus der Verantwortung. Es erinnert leider stark an die Gruppen, die nicht müde werden zu erzählen, dass mit der Überwindung des Kapitalismus auch die Emanzipation der Frauen* und LGBT*IQ erreicht sein wird. Sexismus, Rassismus, Homo- und Trans*feindlichkeit bleiben in solchen Argumentationen als Nebenwiderspruch bestehen. In dem Flyer des ‚Antifaschistischen Kollektivs Raccoons‘ begegnet uns der Nebenwiderspruch in einer neuen, anderen Form: So stellt sich doch gleich die Frage, ob mit Überwindung des Islams auch gleich die Diskriminierung, Abwertung und Gewalt gegen Frauen* und LGBT*IQ ein Ende haben wird. Ein einfacher Problemlösungsansatz!

Die Stellungnahme und Analyse des Flyers reiht sich dabei in bekannte strukturelle Begebenheiten ein: Aus einer hegemonialen Position werden das Ausmaß der Konsequenzen, die das Attentat in Orlando auf LGBT*IQs hat, nicht nur abgewertet, sondern auch gleich negiert. Die eigene hegemoniale Position wird dabei weder wahrgenommen noch reflektiert. Stattdessen wird uns aus dieser Position, wie so häufig, unter einem politisch sachlichen Deckmantel, die Welt erklärt. Wiedereinmal wird damit (queer-)feministischen emanzipatorischen Kämpfen ihre Notwendigkeit und politische Relevanz abgesprochen.

Es liegt in keiner Weise in unserem Interesse, die Problematik des weltweiten Erstarkens von islamistischen Strukturen klein zureden oder zu negieren. Auch liegt es uns fern eine emanzipatorische Religionskritik am Islam zu verhindern oder uns dieser entgegen zu stellen. Wir kritisieren und verurteilen religiösen Fundamentalismus in all seinen Formen aufs schärfste, denn hier ist eine zentrale Ursache für den Hass begründet.

Patriarchale Strukturen sind in religiös-fundamentalistischen Gesellschaftsteilen zwar stärker ausgeprägt, doch begegnen sie uns in der ‚befreiten westlichen Gesellschaft‘ ebenso jeden Tag: In der Uni und bei der Arbeit, beim Einkaufen, Abends im Club, oder eben innerhalb der vermeintlich ‚eigenen‘ linken Szene.

Herrschaftskritische Analysen, die Teil linker Politik sind, müssen auch immer eine Reflexion und Kritik der eigenen hegemonialen Positionen beinhalten. So fordern wir eine schonungslose Kritik an patriarchalen Strukturen vor allem von einer radikalen Linken und verwehren uns gegen die Vereinnahmung unserer Trauer, unserer Wut und unserer Bestürzung. Denn wir waren mit diesem Anschlag gemeint und nicht wie behauptet wird, die ‚westliche, befreite Gesellschaft‘. Homo- und Trans*hass war der wesentliche Grund des Anschlags und wir begegnen diesem Hass nicht nur in Religionen. Wir begegnen diesem Hass jeden Tag und müssen uns gegen ihn behaupten. So ergaben erst die aktuell veröffentlichten Ergebnisse der sog. „Mitte“-Studie aus Leipzig, dass 40,1% es ekelig finden, wenn homosexuelle Menschen sich in der Öffentlichkeit küssen. (2)

Es verwundert kaum noch, dass wir von Teilen der lokalen antifaschistischen Strukturen in Kassel hierbei denkbar wenig Solidarität erfahren. Stattdessen wird von einer antifaschistischen Gruppe eine derartig pietätlose und unsagbar peinliche Aktion gebracht, die Kooperationen für die nähere Zukunft absolut undenkbar für uns machen. Für uns wird mal wieder deutlich: Das Problem heißt Patriarchat!

qrew – queere polit gruppe kassel
autonomes schwul trans* queer referat an der Uni Kassel

(1) http://raccoons.blogsport.de/2016/06/16/das-problem-heisst-islam/

(2) http://www.tagesschau.de/inland/mitte-101.pdf “

Ursprünglich veröffentlicht auf: http://qrew.blogsport.eu/2016/06/18/das-patriarchat-bleibt-stabil/

An den Freitagen 12.8.16 + 19.8.16 ist das Referat geschlossen!